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Entwicklung des Stadtbildes und Stadtplanung bis Kriegsende (1945)

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Dieser Beitrag wurde 2011 im Rahmen der Projektarbeiten zum 200-jährigen Stadtjubiläum von einem ehemaligen Schüler des Graf-Zeppelin-Gymnasiums in Friedrichshafen geschrieben.



Friedrichshafen ist mit seiner Gründung 1811 eine sehr junge Stadt. Sie entstand durch den Zusammenschluss der ehemaligen Reichsstadt Buchhorn mit dem Kloster und Dorf Hofen. Buchhorn wies zur damaligen Zeit einen trapezförmigen Grundriss auf. Die wichtigste Straße war die heutige Karlstraße mit dem benachbarten Marktplatz und der Nikolauskirche, die Ende des 15 Jahrhunderts erbaut wurde. Die Klosteranlage geht nach dem Wiederaufbau der im 30-jährigen Krieg zerstörten Anlage auf das Ende des 17. Jahrhunderts zurück. König Friedrich I. von Württemberg, der Gründer der Stadt, betrieb eine gezielte Stadtplanung. Friedrichshafen sollte zum wichtigsten Hafen für den Außenhandel mit den Staaten südlich des Sees ausgebaut werden. Durch die völlig gerade geführte und parallel zum See verlaufende Friedrichstraße und den zwei Stichstraßen zum Schloss bzw. die heutige Karlstraße sollte Hofen mit Buchhorn räumlich verbunden werden. Um eine repräsentative Straße mit See- und Bergblick zu bewahren, durfte die Straße nur auf der nördlichen Seite und nur einzeilig bebaut werden. Dieses Gebiet wurde als „Neustadt“ bezeichnet.[1]

Noch heute wird das Stadtbild von einer königlichen Entscheidung um 1846 geprägt, Friedrichshafen nicht durch einen Donau-Bodenseekanal verkehrstechnisch anzubinden, sondern durch das Eisenbahnnetz und dafür einen Stadt- und einen Hafenbahnhof zu errichten.[2] Der Stadtbahnhof rückte in den Mittelpunkt der neu angelegten Friedrichstraße, wo laut ursprünglicher Planung ein Marktplatz und eine evangelische Kirche vorge-sehen waren. Der zentralen Lage entsprechend wurde der Stadtbahnhof sehr repräsentativ gestaltet. Erweitert um die 1899/1901 angefügten Seitenflügel ist er heute so erhalten. Die Eisenbahn und schon 1824 die Einführung der Dampfschifffahrt und die Entscheidung Königs Wilhelm I, seine Sommerresidenz nach Friedrichshafen zu verlegen, brachte der Stadt sowohl einen touristischen Aufschwung als auch gehobene Bürger, die hier Villen erbauen ließen. Mitte des 19 Jahrhunderts wertete man die Stadt durch zwei Badeanstalten und ein Kurhaus auf. Die Attraktion des Zeppelins verstärkte den Tourismus, den man auch durch ein werbendes Stadtbild unterstützte.[3] 1909 wurde das Kurhaus durch ein vornehmes Kurhotel am Standort des heutigen Graf-Zeppelin-Hauses ersetzt. Um 1912 wurde durch Aufschüttung eine Uferpromenade vom Kurhotel (GZH) bis zum Hafenbahnhof angelegt, 1911 ein Gondel- und Jachthafen und bereits 1907 ein repräsentatives Rathaus errichtet. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sah man Friedrichshafen als eleganten Badeort mit Ambitionen auf den Titel „Bad“ und als vornehme Residenzstadt mit Handelstätigkeit und vielen Villen.

Im Zuge der rasant einsetzenden Zeppelinindustrie wurden die Luftschiffbau Zeppelin GmbH (1908), die Maybach-Motorenwerke (1909/1912), die Zahnradfabrik (1915) und die Dornier-Werke (1914 bzw. 1932) gegründet bzw. hier angesiedelt. Die Stadt veränderte damit spät, aber um so einschneidender ihr Gesicht zu einer Industriestadt.[4] Den zunächst noch schwimmenden Luftschiffhallen in Manzell folgten immer mehr Industrieanlagen in Stadtnähe. Für die zu Tausenden zuziehende Arbeiterschaft entstanden im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts das Zeppelindorf 1914, die Dorniersiedlung 1934, die Schmitthenner-Siedlung ab 1935 sowie die Löwentalsiedlung ab 1936. Alle entsprachen dem Leitbild der "Moderne". Licht, Luft, Grün und Sonne wurden als Grundmotive bei der Bebauung berücksichtigt.

Während der Nazi-Zeit wollte man die für die Rüstung wichtige Industriestadt Friedrichshafen zu einer NS-Musterstadt mit Kundgebungshallen, Aufmarschplätzen und repräsentativen Partei- und Staatsbauten ausbauen. Entsprechend den damals geheimen Plänen hätten dazu ca. 40 Gebäude der Altstadt abgerissen werden müssen. Die größten Einschnitte in der städtischen Entwicklung und ins Stadtbild brachte der Zweite Weltkrieg. Die Angriffe der alliierten Bomberverbände zerstörten 90 % der Industrieanlagen und ca. 63 % der Stadt sowie über 70% der Innenstadt.[5] Viele historisch wichtige Gebäude waren völlig oder in einem Ausmaß zerstört, dass sie nicht mehr gerettet werden konnten und abgerissen wurden.

Literatur

  1. Vgl. Fritz Maier: Friedrichshafen. Heimatbuch, Band I, Friedrichshafen 1983, S. 328 f.
  2. Vgl. Fritz Maier: Friedrichshafen. Heimatbuch, Band I, Friedrichshafen 1983, S. 180.
  3. Vgl. Landesbildungsserver Baden-Württemberg: Die Stadt Friedrichshafen in der Zeppelinzeit.
  4. Vgl. Verwaltungsgemeinschaft Friedrichshafen - Immenstaad: Flächennutzungsplan 2015. Erläuterungsbericht
  5. Vgl. Josef Hoben: Friedrichshafen – Ein verlorenes Stadtbild, Gudensberg-Gleichen 2000, S. 69. Fritz Maier: Friedrichshafen Heimatbuch. Band II, S.347,356.



Projektarbeiten des Graf-Zeppelin-Gymnasiums zum Jubiläum 200 Jahre Friedrichshafen





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