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Entwicklung des Stadtbildes und Stadtplanung bis zur Gegenwart

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Dieser Beitrag wurde 2011 im Rahmen der Projektarbeiten zum 200-jährigen Stadtjubiläum von einem ehemaligen Schüler des Graf-Zeppelin-Gymnasiums in Friedrichshafen geschrieben.



Inhaltsverzeichnis

Wiederaufbau und Erweiterung der Altstadt

Der zweite Nachkriegsbürgermeister Josef Mauch sah die wirtschaftliche Zukunft Friedrichshafens im Handwerk, der Kleinindustrie, in der Landwirtschaft, im Tourismus und Kurbetrieb.[1] 1947 brachte eine Studie zum Ausdruck, dass Friedrichshafen bei Schlie-ßung der noch verbleibenden Industrie der völlige Zusammenbruch drohe.[2] Letztlich ist es nicht nur gelungen, die großen Unternehmen in Friedrichshafen zu erhalten, sondern diese konnten sich zu erfolgreichen Unternehmen auf dem Weltmarkt weiterentwickeln. Auch der Zeppelin NT wird wieder gebaut und ist erneut eine Attraktion für Friedrichshafen. Bereits 1950 wurde der Grundstein für Friedrichshafen als Messestadt gelegt. Seit 2002 befindet sich diese außerhalb der Innenstadt in der Neue Messe, die als größtes Einzelprojekt der Stadt Friedrichshafen realisiert wurde. Friedrichshafen ist heute eine Industriestadt, aber auch Messe- und Zeppelinstadt und die innerstädtischen Industrieflächen haben prägenden Anteil am Stadtbild.


Die großflächige Zerstörung bedeutete für die städtebauliche Planung einerseits eine historisch einmalige Chance, etwas grundsätzlich Neues zu schaffen.[3] Andererseits bestand der Problemdruck, mit eingeschränkt verfügbaren Mitteln möglichst schnell viel Wohnraum zu schaffen. Baudenkmälern, wie die Schlosskirche, St. Nikolaus, der Stadtbahnhof, aber auch der Hafenbahnhof als Denkmal der „Klassischen Moderne“ aus dem Jahr 1933, wurden wieder aufgebaut. Sie sind heute bauliche Wahrzeichen der Stadt.[4] Im Übrigen sollte die Nikolauskirche mit Marktplatz als Stadtmittelpunkt erhalten bleiben [5][5] und die Bebauung durch Nüchternheit und Bescheidenheit gekennzeichnet sein.


Das Wiederaufbaukonzept der Altstadt basiert auf dem Plan von Stadtbaurat Scheible aus dem Jahre 1940 und Anregungen aus einem Architektenwettbewerb von 1948.  

Entschieden hat man sich weder für einen Nachbau der historischen Gebäude noch für eine grundlegende Neuordnung. Die Bahnlinie bildete weiterhin die Grenze der sog. Altstadt, die dadurch nach Norden und Osten von übrigen Stadtteilen abgeschnitten blieb. Auch die Straßenzüge wurden übernommen, aber durch Verbreiterungen verbessert und die Eigentumsverhältnisse wurden weitgehend beibehalten. Als herausragende Einzelbauten wurden mit dem Panzer-Hochhaus (city tower) am nördlichen Buchhornplatz (1955) und dem Orion-Hochhaus an der Friedrichstraße (1954) zwei Hochhauskonzepte umgesetzt. Abschluss der Wiederaufbauphase bildete der Bau des Rathauses 1956. Das Rathaus sollte „wagemutige, aber in keiner Weise freche oder gar überhebliche Modernität“ aufweisen, den Kirchplatz als Mittelpunkt der Stadt aufwerten und die Harmonie von geistlicher und weltlicher Autorität hervorheben.[6]


Nach der Einstellung des Gütertrajektverkehrs (Eisenbahnfährverkehr über den See) im Jahre 1976 und der damit einhergehenden Reduzierung der Gleisanlagen zum Hafenbahnhof konnte gegen Ende der 1980er der Buchhornplatz durch die Gebäudezeile um den C&A ergänzt werden. So entstand der trichterförmig sich zum See hin öffnende Buchhornplatz, der einen weiten Blick auf See, Hafen und Berge erlaubt. Durch Unterführungen und Durchlässe wurde die Stadt nach Osten geöffnet. Östlich des Bahn-damms wurde das Altstadtparkhaus mit einem Warenhaus (heute Marktkauf) angesiedelt und der Romanshorner Platz (heute Zentraler Busbahnhof und Fähranleger) gestaltet.


Meilensteine der städtebaulichen Weiterentwicklung

Verkehrsberuhigung und Aufenthaltsqualität

Eine Voraussetzung für eine funktionierende Innenstadt ist eine gute Erreichbarkeit. Die zunächst intensiv autoorientierte Ausrichtung der Stadt in den 1950 bis 1970 führte dazu, dass die Altstadt im Verkehr zu versinken drohte und die Plätze überwiegend als Parkplätze genutzt wurden. Studien[7] belegen aber, dass eine bloß gute Erreichbarkeit keine Gewähr für eine hohe Besucherzahl ist, sondern dass die Attraktivität einer Stadt aufgrund von Nutzungs- und Angebotsvielfalt und ansprechendem gestalterischem Äußeren der ausschlaggebende Faktor für die Frequentierung ist. Unter diesem Aspekt ist ein erster Sanierungsschub zu bewerten. Durch Parkhäuser und letztlich durch den Zentralen Omnibusbahnhof am Romanshorner Platz sollten verkehrsberuhigte Zonen und Aufenthaltsqualität geschaffen werden. Die von Autos befreiten Flächen hat man mit ansprechenden Belägen ausgestattet oder begrünt, mit Brunnen, Wasserläufen, Plastiken und Bänken, aber auch mit Spielgeräten (Zeppelin) versehen.


Im Vorher-Nachher-Vergleich sind Unterschiede für den Adenauer Platz wie auch für den Buchhornplatz deutlich erkennbar. Die Aufenthaltsqualität und Erlebnisqualität konnte ohne Frage erhöht werden. Die Besucher verweilen in den Cafés oder auch nur auf den Bänken und sehen evtl. ihren immer gern an den verschiedenartigen Wasserensembles und am Zeppelin spielenden Kindern zu. Die Innenstadt hat sich also zunehmend belebt und es bieten sich Möglichkeiten für ungeplante und lockere Kommunikation. Allerdings ist festzustellen, dass der Adenauerplatz hinsichtlich seiner Aufenthaltsqualität hinter den anderen Plätzen zurückbleibt, obwohl er durch die Platzierung des Rathauses als Stadtmitte definiert wurde. Er wirkt wenig „heimelig“[8][8] und viele ziehen den See vor. Dies ist aber damit zu erklären, dass dieser großflächige Platz viele Funktionen innehat. So dient er als Marktplatz, aber auch als Bühne für Events und Kultur, wie Stadtfeste oder den Weihnachtsmarkt, so dass er nicht mit zusätzlichen Elementen versehen werden kann. Erstrebenswert wäre laut befragten Fachleuten, wenn sich im westlichen Teil die Geschäfte auch Richtung Platz öffnen würden.


Schaffung von Individualität und Unverwechselbarkeit

Auch unter dem Aspekt der zunehmenden Konkurrenz ist es für eine Stadt wichtig, eine Identität und eine Individualität zu schaffen. Städte mit historischem Erbe sind hier im Vorteil. Der Reiz einer Stadt liegt in der Gesamtkonzeption, also dem städteplanerischen Konzept, aber auch in einzelnen architektonischen Höhepunkten, die einem Stadtbild Glanz und Einmaligkeit verleihen können.[9]


So stellt sich die Frage, inwieweit es Friedrichshafen gelungen ist, durch einzelne Ensembles positive Akzente und so ein unverwechselbares individuelles Erscheinungsbild zu schaffen. Der denkmalgeschützte Hafenbahnhof wurde zum Zeppelinmuseum umgebaut (1996). Hierfür gab es mehrere Preise für die Architektur. An der Hafeneinfahrt steht seit 2000 der Moleturm, der durch seine zurückhaltende Stahlkonstruktion mit dem gegenüberliegenden Zeppelinmuseum harmoniert, das symbolische Stadttor vom See darstellt und einen Ausblick auf die Stadt und das Alpenpanorama bietet. Am Gondelhafen wurde Ende des letzten Jahrhunderts das Gelände des ehemaligen Altersheims durch das Projekt St. Antonius völlig neu gestaltet und bietet heute alternative Wohnformen für ältere Mitmenschen direkt am See. Das Hauptgebäude in Form eines Schiffsrumpfes und der davor entstandene Platz mit Wechselspringbrunnen, den nicht nur Kinder interessant finden und „erleben“, ist einer der schönsten Ensembles in Friedrichshafen geworden. Er wird gern zum Verweilen angenommen, obwohl dieses Projekt die Bevölkerung ursprünglich stark polarisierte und einen Bürgerentscheid erforderte. Das ist also durchaus vergleichbar mit der Situation des Graf-Zeppelin-Hauses. Damals heftig umstritten, ist es heute als Kulturstätte nicht mehr wegzudenken [10] und auch die städtebaulichen Bedenken, die Schlosskirche könne dadurch verdeckt werden, sind widerlegt. Das K42 in der Karlstraße 42 hat eine komplett verglaste Außenfassade und als Besonder-heit einen einem Bodenseekiesel nachempfundenen Veranstaltungsbau. Das Gebäude strahlt Offenheit und Transparenz aus und ist durch die vielseitige Nutzung Publikumsmagnet sowohl für Einheimische wie auch für Besucher und ein attraktives Fotomotiv.[11] Die Neugestaltungen werden allesamt gerne angenommen und ästhetisch positiv bewertet. Diese neuen Elemente zusammen mit der Schlosskirche sind mittlerweile kennzeichnend für Friedrichshafen.


Bewertung des aktuellen Stadtbildes

Als nach 1945 keine Luftschiffe mehr gebaut werden durften, wurde die Zeppelin-Stiftung der Stadt übertragen, die diese für mildtätige und gemeinnützige Zwecke einsetzen darf. Dies und der Wohlstand, den die Industrie brachte, erlaubte der Stadt einen schnellen Wiederaufbau und eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Stadt und des Stadtbildes. Neben den bereits genannten innerstädtischen Veränderungen kamen Nutzungen von Baulücken oder die Konversion mindergenutzter Areale hinzu. So entstanden z. B. in der Altstadt das H&M-Gebäude oder nördlich der Bahnlinie in der sog. „Nordstadt“ das Sozialzentrum St. Franziskus (1996) mit Wohnformen für Ältere und Behinderte, Arztpraxen sowie einem Vorplatz und einer Unterführung zum Bahnhof, aber auch das Ensemble um die Sparkassenzentrale, die VHS und das technische Rathaus mit dem Charlottenhof, der ebenfalls als Markt- und Eventplatz verwendet wird.

Das innerstädtische Bild ist heute geprägt durch die schnelle Aufbauphase der 1950er Jahre mit zurückgenommenen Duktus,[12] einzelnen historisch geprägten Gebäuden und einem Streifzug durch die moderne Architektur des 20. Jahrhunderts. Friedrichshaften ist eine modern geprägte Stadt.


Umfrage

Weil durchaus Kritisches über das Stadtbild zu vernehmen ist, wurde von einem Schüler eine kleine Umfrage mit 106 zufällig ausgewählten Passanten durchgeführt, um herauszufinden wie der einzelne Bürger die Innenstadt subjektiv wahrnimmt. Entsprechend dem schulischen Benotungssystem zwischen eins und sechs sollten diese das Stadtbild, aber auch einzelne Veränderungen bewerten. Dabei ergab sich eine Gesamtnote von 2,75. Die 70 Einheimischen bewerteten das Erscheinungsbild mit 2,80, während die 36 Auswärtigen es mit der Note 2,65 geringfügig besser bewerteten. Noch besser werden die Veränderungen der letzten Jahre bewertet, insbesondere der Moleturm und das K42. Dennoch wird als Gebäude, das die Befragten unmittelbar mit Friedrichshafen verbinden, die Schlosskirche mit 31,6 % am häufigsten genannt, gefolgt vom Zeppelin-Museum mit 22,4 %, dem Graf-Zeppelin-Haus mit 15,3 % und dem Moleturm und dem K42 mit jeweils 8,2 %. 80,95 % verweilen am liebsten an der Promenade oder direkt am See. Friedrichshafen ist für die Befragten: Arbeitsplatz, (geliebte) Heimatstadt, eine moderne Stadt am See, eine Stadt, aus der man mehr machen könnte. 62 % der Befragten besuchen lieber andere Städte der Region, weil diese schöner sind oder bessere Einkaufsmöglichkeiten bieten. Vielen fehlen die kleinen Winkel und die Gemütlichkeit in Friedrichshafen. Auch von den befragten Fachleuten wurden die Veränderungen Friedrichshafens positiv gesehen, wenn auch insgesamt noch mehr Wert auf gute Architektur und Stimmigkeit des Gesamtkonzepts zu legen sei. Bei der Eröffnung der Ausstellung: „In der Zukunft leben“ meinte auch David Kasparek, Redakteur des Zeitschrift „der architekt“, dass Friedrichshafen nicht das hässliche Entlein am Bodensee sei und sich nicht hinter den anderen Städten verstecken müsse.[13]


Literatur

  1. Vgl. Häffner, Michaela: Nachkriegszeit in Südwürttemberg: die Stadt Friedrichshafen und der Kreis Tettnang in den vierziger und fünfziger Jahren, München 1999, S. 51.
  2. Vgl. Häffner, Michaela: Nachkriegszeit in Südwürttemberg: die Stadt Friedrichshafen und der Kreis Tettnang in den vierziger und fünfziger Jahren, München 1999, S. 51.
  3. Vgl. Institut für Geographie: Geschichte der Stadtplanung.
  4. Vgl. Südkurier vom 13.11.2010: Vom Dorf zum Industriestandort.
  5. Vgl. Fritz Maier: Friedrichshafen. Heimatbuch, Band III, Friedrichshafen 2004, S. 77.
  6. Jürgen Oellers und Hartmut Semmler: Friedrichhafen – Wiederaufstieg einer Industriestadt zwischen Demontage und Kommunalisierung in: Moersch, Karl; Weber, Reinhold: Die Zeit nach dem Krieg, Stuttgart 2008, S. 101 - 125, hier S. 123
  7. Vgl. Wüstenrot Stiftung (Hrsg.): Fokus Innenstadt, Ludwigsburg 2008, S. 107 f.
  8. Vgl. Thomas Goldschmidt (Leiter Stadtmarketing): Interview vom 31.03.2011
  9. Vgl. Mühl, Andreas: Die Serie: SZ schreibt Zukunft. In: FN 2020; Gedanken von heute über Morgen, S. 2.
  10. Bis zum Jubiläum im Oktober 2010 liefen rd. 32.000 Veranstaltungen mit rd. 7,2 Mio. Besuchern. Vgl. Stadt Friedrichshafen: Kultur- und Congress-Centrum "Graf-Zeppelin-Haus" feiert seinen 25. Geburtstag.
  11. Vgl. Schwäbische.de: Das Medienhaus zieht 208.000 Besucher an.
  12. Vgl. Bund Deutscher Architekten (Hrsg.): In der Zukunft leben. Die Prägung der Stadt durch den Nachkriegsstädtebau, Berlin 2009, S. 74.
  13. Vgl. Schwäbische.de: Friedrichshafen ist doch kein hässliches Entlein.



Projektarbeiten des Graf-Zeppelin-Gymnasiums zum Jubiläum 200 Jahre Friedrichshafen





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