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Südbahn

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Die Südbahn ist eine nicht elektrifizierte Hauptbahn in Baden-Württemberg. Sie wurde im Zeitraum von 1846 bis 1850 erbaut und von 1905 bis 1913 zweigleisig ausgebaut. In diesem Zeitraum wurden auch zahlreiche Empfangsgebäude der Bahnhöfe neu gebaut. Ihre Kilometrierung beginnt als Filstalbahn in Stuttgart Hbf.

Die Südbahn beginnt in Ulm und führt über Biberach an der Riß, Aulendorf und Ravensburg nach Friedrichshafen. Einige Züge fahren auf der eingleisigen Strecke der Bodenseegürtelbahn weiter bis Lindau.

Die Südbahn war eine der ersten Strecken in Württemberg und wurde von den neu gegründeten Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen gebaut. Sie ist ein Teilstück der ersten durchgehenden Eisenbahnlinie des Königreichs, die vom schiffbaren Neckar in Heilbronn über Stuttgart und Ulm bis nach Friedrichshafen am Bodensee führte.

Mit der Eröffnung der Südbahn gewann die Königlich Württembergische Staatseisenbahn den Wettlauf an den Bodensee. Sie war die erste Staatseisenbahn des Deutschen Reiches, die die Städte und Ortschaften des Bodensee mittels der Eisenbahn an die anderen Städte des Deutschen Reiches anschloss, drei Jahre vor der Königlich Bayerischen Staatseisenbahn und dreizehn Jahre vor der Großherzoglich Badischen Staatseisenbahn.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

1847 bis 1945

Datei:Aulendorf-1900.jpg
Bahnhof Aulendorf im Jahr 1900

Als erster isolierter Streckenabschnitt wurde am 8. November 1847 das Teilstück Friedrichshafen–Ravensburg eröffnet. Am 26. Mai 1849 folgte der Abschnitt bis Biberach an der Riß und am 1. Juni 1850 die Reststrecke bis Ulm. Als dann Ulm ab dem 29. Juni 1850 durch den Lückenschluss mit der Strecke Ulm–Geislingen von Stuttgart her über die Geislinger Steige zu erreichen war (siehe Filstalbahn), war ein durchgehender Betrieb von Friedrichshafen bis Heilbronn möglich.

Von 1905 bis 1913 erfolgte aus kriegswirtschaftlichen Gründen der zweigleisige Ausbau der Strecke Ulm–Friedrichshafen.

1945 bis 2000

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden im Laufe der Jahre mehrere Bahnhöfe, die sich weit abseits von den Ortschaften befanden, stillgelegt. Ebenso wurden mit Ausnahme der Strecken Aulendorf–Herbertingen und Aulendorf–Kißlegg sämtliche von der Südbahn abzweigende Strecken im Personenverkehr stillgelegt.

Ab den neunziger Jahren fuhren über die Strecke InterRegios der Relation Saarbrücken–Lindau (ab 1999 bis auf ein Zugpaar verkürzt und mit geänderter Strecke ab Stuttgart nach Karlsruhe). Ab 1. Juli 1993 verkehrten Dieseltriebwagen des Typs NE81 der am 15. Oktober 1991 gegründeten Bodensee-Oberschwaben-Bahn GmbH (BOB), auch „Geißbockbahn“ genannt, zwischen Friedrichshafen und Ravensburg, die einige Jahre später bis nach Aulendorf durchgebunden wurden.

Bereits 1994 musste die BOB aufgrund der hohen Nachfrage zusätzliche Wagen beschaffen, zum Teil lieh sie sich auch Wagen z. B. von der Hohenzollerischen Landesbahn (HzL) aus. Teilweise wurden mit Intriebnahme der „Geißbockbahn“ inzwischen bereits stillgelegte Bahnhöfe reaktiviert. Um das inzwischen weiterhin gestiegene Verkehrsaufkommen zu bewältigen, verkehren auf der Südbahn seit Herbst 1998 auch Triebwagen von Stadler Regio-Shuttle RS1.

Auf dem nördlichen Abschnitt der Südbahn übernahm die DB RAB die Nahverkehrsleistungen. So wurden 1999 die Stichstrecke Laupheim West–Laupheim Stadt, das letzte verbliebene Teilstück der Bahnstrecke Laupheim West–Schwendi, reaktiviert und die Fahrten bis Langenau durchgebunden.

Seit 2001 und Ausbaupläne

2001 wurden die auf der Strecke verkehrenden InterRegio bis auf ein Zugpaar auf den Weg Karlsruhe–Ulm verkürzt. Mit Abschaffung dieser Zuggattung Ende 2002 wurde das verbliebene InterRegio-Zugpaar durch einen InterCity Münster (Westf.)/Dortmund–Lindau–Innsbruck ersetzt.

Als Ersatz für die Interregios wurde zum 15. Dezember 2002 ein Interregio-Express-Angebot eingeführt.[1]

Im Jahr 2010 wurde begonnen, den Bahnhof Laupheim West um eine Südkurve Richtung Biberach zu erweitern. Damit soll der Bahnhof Laupheim-Stadt in der durchgehenden Verbindung von Ulm nach Biberach angefahren werden können. Im Zuge dieser Erweiterung wird das gesamte Signalsystem im Bahnhof Laupheim West modernisiert. Die Eröffnung ist für Mitte 2011 geplant. [2]

Es existiert ein Planungsentwurf für den Ausbau der Teilstrecke Ulm - Biberach - Aulendorf (Donau-Iller-Nahverkehrsverbund) zur Regio-S-Bahn Donau-Iller. Dazu ist insbesondere die Elektrifizierung der Strecke notwendig. Darüber hinaus wird der Neubau einer Verbindung zur Donautalbahn von Erbach nach Ehingen überlegt. Die Eröffnung der flächendeckenden Versorgung ist für den Zeitraum 2020/2025 geplant.

Betrieb

Betriebsablauf

Auf der Strecke fahren zwei verschiedene IRE-Züge: zum einen die Dieseltriebwagen der Baureihe 611, die im 120-Minuten-Takt bis Basel fahren, zum anderen Wendezüge mit Lokomotiven der DB-Baureihe 218 mit Doppelstockwagen, die im 60-Minuten-Takt von Stuttgart aus bis Lindau fahren. Regionalbahnen werden mit der Baureihe 650 (RegioShuttles) gefahren, die der DB RAB, BOB und HzL gehören. Das einzige InterCity-Paar wird ebenfalls mit Lokomotiven der Baureihe 218 bespannt.

Die Züge der BOB machen im Bahnhof Friedrichshafen Stadt Kopf und werden über eine 800 Meter lange Stichstrecke zum Bahnhof Friedrichshafen Hafen durchgebunden.

Verkehrsverbund

Von Ulm bis Aulendorf verläuft die Strecke innerhalb des Donau-Iller-Nahverkehrsverbunds (DING), von Aulendorf bis Friedrichshafen im Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbund (bodo).

Zukunft/Ausbaupläne

Heute ist die Württembergische Südbahn eine der wenigen nicht elektrifizierten zweigleisigen Hauptbahnen in Deutschland. Eine Elektrifizierung (inkl. der Weiterführung nach Lindau) ist aber inzwischen beschlossen. [3] Ein Ausbau soll das Potenzial für den Güterverkehr erschließen und eventuell auch wieder mehr Fernzüge auf die Strecke bringen, nachdem zurzeit (2011) nur ein InterCity-Zugpaar verkehrt. Laut der Standardisierten Bewertung hätte diese Maßnahme durch Reisezeitverkürzungen und verringerte Luftverschmutzung ein gesamtwirtschaftliches Nutzen-Kosten-Verhältnis von je nach Variante zwischen 1,8 und 2,4. Die Kosten liegen dabei bei deutlich über 100 Millionen Euro.[4] Voraussichtlich im August 2009 soll die erste Planungsphase der Südbahn-Elektrifizierung beendet sein. Die Planungskosten von 1,4 Millionen Euro finanziert der Interessenverband Südbahn, in dem sich die Städte und Gemeinden entlang der Strecke zusammengeschlossen haben, vor. Mit Beginn der Elektrifizierungsarbeiten ist aber nicht vor 2011 zu rechnen.

Im Dezember 2010 beauftragte die Deutsche Bahn die Umweltplanung des Projekts,[5] die zwischen Ende 2010 und Ende 2013 durchgeführt werden soll[6].

Im Juli 2008 beschlossen der Landkreis Biberach und die Deutsche Bahn AG außerdem, eine 2,5 Kilometer lange Verbindungskurve von der Südbahn zum Bahnhof Laupheim Stadt zu bauen. Damit werden Direktverbindungen von Biberach über Laupheim Stadt nach Ulm möglich. Die Bauarbeiten hierzu haben im Juni 2009 begonnen und sollen 2011 abgeschlossen sein. [7]

Sonstiges

Der Streckenabschnitt zwischen Erbach und Biberach verläuft schnurgerade, vorbei an Ortschaften. Bei der Planung der Strecke konnten sich potenzielle Bahnhofsgemeinden nicht einigen, wer nun den Bahnanschluss erhalten sollte, und die Verhandlungen zogen sich fruchtlos in die Länge – bis es König Wilhelm I. zu bunt wurde. Er wollte seinen Sommersitz Friedrichshafen möglichst rasch mit dem modernen Verkehrsmittel erreichen. Eines Tages erschien er im Verkehrsministerium, hörte sich die Diskussion um Bahnanschlüsse eine Weile an und legte dann ein Lineal auf die Landkarte: „So wird die Strecke gebaut!“

Datei:Durlesbach.jpg
Szene am Bahnhof Durlesbach

Im Lied „Auf der Schwäb’schen Eisenbahn“ werden die Bahnhöfe der Strecke erwähnt („Stuttgart, Ulm und Biberach, Meckenbeuren, Durlesbach“). Damit der Reim stimmt, vertauscht das Lied die Reihenfolge der beiden letztgenannten Bahnhöfe: Durlesbach kommt vor Meckenbeuren.

Da der Bahnhof Durlesbach[8] einsam im Schussental liegt, wurde er nach dem dort mündenden Bach[9] benannt. Dieser Bahnhof diente[10] ursprünglich der Anbindung der 7 km nordöstlich gelegenen Stadt Bad Waldsee, verlor diese Funktion jedoch mit der Eröffnung der Allgäubahn am 25. Juli 1869. Im gleichen Jahr wurden im Bahnhof Durlesbach die Gleisanlagen erweitert, um ihn stattdessen für die Holzverladung (auch zum Export in die Schweiz) zu nutzen. Nach der Wiederbelebung (1870) des 2 km östlich gelegenen Klosters Reute gewann der Bahnhof neue Bedeutung für die zahlreichen Besucher und Patienten des Klosters. Seit dem Aufkommen des Automobils allerdings verlor Durlesbach stetig an Bedeutung, bis die Station, zuletzt nur noch ein Haltepunkt mit „Halt auf Antrag für Wandergruppen“, 1984 endgültig stillgelegt wurde.

Heute beherbergt das Bahnhofsgebäude als „Kultur-Bahnhof Durlesbach“ eine Kunstgalerie mit Café. Ein Denkmalzug mit Geißbock, Bauer, Weible und Kondukteur (Alfons Walz, 1991) erinnert an das bekannte Lied mit dem traurigen Ende des Geißbocks, der von seinem Besitzer ans Zugende gebunden worden war – wie er das von seinen Reisen mit der Postkutsche gewohnt war.

Bilder

Film

Willy Reichert: Auf der schwäb'sche Eisebahne

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Meldung Neues Konzept für die Südbahn. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 2/2003, ISSN|1421-2811, S. 52.
  2. [1]
  3. Presseerklärung Stadt Ravensburg vom 1.12.2009
  4. Artikel des Südkurier
  5. http://ted.europa.eu/udl?uri=TED:NOTICE:30017-2011:TEXT:DE:HTML D-Karlsruhe: Umweltfolgenabschätzung im Bau]. Dokument '2011/S 19-030017 vom 28. Januar 2011 im Elektronischen Amtsblatt der Europäischen Union.
  6. D-Stuttgart: Umweltplanung. Dokument 2010/S 173-264963 vom 7. September 2010 im Elektronischen Amtsblatt der Europäischen Union.
  7. Bahn-Report 5/2008, S. 76
  8. Vorlage:Coordinate
  9. Topographische Karte 1:50 000, Blatt L 8124 Bad Waldsee (Stuttgart, 1967)
  10. Geschichte des Bahnhofes Durlesbach


Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Südbahn_(Württemberg) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.





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